Die Weinwelt Praxis-Tipps

Sieben Fragen, die Sie zu jedem Wein stellen sollten...

 

1. Woher kommt der Wein?
Die Herkunftsangabe muss klar sein. Auch bei Markenweinen wie Viala oder Bongeronde steht sie auf dem (Rücken-)Etikett. In Frankreich gilt die Appellation d'Origine (AOC, AC), in Italien die Denominazione di Origine Controllata (DOC), in Spanien die Denominación de Origen (DO) als höherwertig im Vergleich zum Vin de Pays, Indicazione Geografica Tipca (IGT) oder Vino de la Tierra. Der Unterschied muss nicht im Geschmack liegen.

2. Wer füllt ab?
Die entscheidende Frage! Leider erkennt man den Abfüller auf den ersten Blick oft nicht. Bevorzugen Sie Abfüller, die sich klar zu erkennen geben, wie Kooperativen (Genossenschaften). Meistens finden Sie nur merkwürdige Codes oder Abkürzungen: Weine aus großen Kellereien, also Lagerungs- und Abfüllbetrieben, die auf dem Fassweinmarkt eingekauft wurden. Weine, die “in ihrer Herkunftsregion abgefüllt” wurden, stammen nie von einem einzigen Erzeugerbetrieb. Viele Weine aus Übersee werden im Container lose nach Deutschland verfrachtet und hier in Kellereien abgefüllt. Der Abfüller-Code beginnt mit einem D- oder der Abkürzung eines Bundeslands wie RP (Rheinland-Pfalz).

3. Wie lange steht der Wein im Regal?
Supermarkt-Weißweine vertragen Neonlicht weniger als Rotweine. Trauen Sie bei Weißweinen keinem, der älter als ein Jahr ist. Weine ohne Jahrgangsangabe sollten Sie nicht kaufen – außer Schaumweine und Sherry!

4. Welche Qualitätsbezeichnung trägt der Wein?
Ob “Spätlese” oder “Reserva”, ein Abfüller kann den gesetzlichen Qualitätskriterien – Mostgewicht oder Lagerungszeit im Holzfass – voll entsprechen und trotzdem nur einen recht durchschnittlichen Wein fabrizieren. Also: Eher ignorieren!

5. Soll ich lieber ein paar Cent mehr ausgeben?
Insider wissen: Schon 50 oder 60 Cent mehr ermöglichen dem Lieferanten, deutlich bessere Qualität zu liefern. Bei Fassweinpreisen kann dies eine Verdopplung des Preises bedeuten. 100 Liter “Chianti DOCG” sind als Fasswein für rund 85 Euro zu haben. Rechnen Sie mal nach!

6. Ist der Wein sein Geld wert?
Kommt auf den Einzelfall an. Markenweine sind manchmal erstaunlich teuer, wenn man die Qualitätsstufe betrachtet; andererseits bieten sie mehr verlässliche Konstanz als Produkte mit Fantasiebezeichnungen aus einer anonymen Kellerei.

7. Ist der Wein mit Chips behandelt worden?
Im untersten Preissegment (unter 3 Euro) sollten Sie davon ausgehen: Ja. Niemand kann für so wenig Geld echte Barriques kaufen. Muss ja nicht schlecht schmecken! Dies gilt für Weine aus Übersee. In Europa sind Chips meist verboten (nicht bei Vin de Pays).

Dr. Rolf Klein, in weinwelt Ausgabe 6/2005
www.weinwelt.info